Osteopathie – alternative Heilmethode oder sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin?

Für die einen ist sie längst die Behandlung der Wahl bei vielen Beschwerden, andere hingegen verorten sie noch immer irgendwo zwischen Bachblüten, Placebo-Effekt und Schüßler-Salzen. Die Stellung der Osteopathie ist nicht geklärt – weder im wissenschaftlichen Diskurs noch in der Wahrnehmung der Patienten. Denn nach wie vor definieren verstaubte Lexikon- und Wörterbucheinträge die Osteopathie sehr verkürzt als „Alternativmedizin“ und erwecken so den Eindruck, als stünde sie der etablierten Medizin unvereinbar gegenüber und stelle konventionelle Behandlungsmethoden infrage. – Ein Irrtum!

Osteopathie – alternative Heilmethode oder sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin?
Osteopathie – alternative Heilmethode oder sinnvolle Ergänzung zur Schulmedizin?

Osteopathie und Schulmedizin ergänzen sich

Zwar unterscheiden sich Osteopathie und konventionelle Medizin in ihren Behandlungsmethoden, fußen aber auf denselben naturwissenschaftlichen Grundlagen und humanmedizinischen Erkenntnissen. Das ermöglicht eine interdisziplinäre Zusammenarbeit – Osteopathie und klassische Schulmedizin schließen einander nicht aus, sondern ergänzen sich und können so Synergieeffekte bei der Behandlung erreichen. Wo konventionelle Behandlungsmethoden keine Verbesserungen bewirken oder nur sehr langsam anschlagen, kann eine osteopathische Behandlung therapiebegleitend eingesetzt werden, um die Selbstheilungskräfte des Körpers anzuregen. Wo diese hingegen nicht ausreichen, um den Körper gesunden zu lassen (etwa bei akuten Erkrankungen, körperlichen Traumata oder seelischen Problemen), stößt die Osteopathie an ihre Grenzen und der praktizierende Osteopath wird eine Weiterbehandlung durch einen spezialisierten Arzt empfehlen.

Wissenschaftliche Anerkennung der osteopathischen Medizin

Die Nachfrage nach osteopathischen Behandlungen steigt beständig und wird, je nach Krankheitsbild, selbst von konventionellen Medizinern immer häufiger als begleitende Therapie empfohlen. Dennoch fehlt der Osteopathie bis heute eine länderübergreifende wissenschaftliche Anerkennung. Das verwundert umso mehr, als die Osteopathie (bes. die parietale und die viszerale Osteopathie) die an das Etikett „Wissenschaftlichkeit“ angelegten Kriterien sicher, wirksam und lehrbar in weiten Teilen erfüllt: Es liegt eine relevante und wachsende Anzahl wissenschaftlicher Arbeiten und Studien vor, die therapeutische Wirksamkeit osteopathischer Behandlungen ist für eine Reihe unterschiedlicher Erkrankungsbilder nachgewiesen und es werden (auch in Deutschland) zunehmend Bachelor- und Masterstudiengänge „Osteopathie“ an Akademien und Privatuniversitäten (z. B. an der Hochschule Fresenius in Idstein) angeboten.

Osteopathische wissenschaftliche Forschung in Deutschland auf dem Vormarsch

Die zunehmende Organisierung der osteopathischen Ausbildung auf universitärem Niveau sowie die Ausübung osteopathischer Behandlungsmethoden durch immer mehr Ärzte und Heilpraktiker zeigen, dass die Osteopathie in ihrem therapeutischen Ansatz weder alternativ noch unwissenschaftlich ist. Sie ist vielmehr ein dynamisch wachsendes Arbeits- und Forschungsfeld, das auch in Deutschland immer mehr Zuspruch findet und in den letzten Jahren eine stattliche Anzahl an qualitativen klinischen Studien auf den Weg gebracht hat. Als eigenständiges medizinisches Fachgebiet mit einer Vielzahl an diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten sowie einer wachsenden Anerkennung durch konventionelle Mediziner ist die Osteopathie längst auf dem Weg, sich als integraler Bestandteil der klassischen Schulmedizin zu etablieren. Die irreführende Kategorisierung als „Alternativmedizin“ sollte daher endgültig gestrichen und durch die passendere Bezeichnung „Komplementärmedizin“ ersetzt werden. Es ist an der Zeit, dass Osteopathie und Schulmedizin nicht länger als gegensätzliche Pole betrachtet werden, sondern ihre Gemeinsamkeiten und die Möglichkeit gegenseitiger Ergänzung mehr Beachtung finden.