„Die Politik lässt uns Osteopathen im Stich“

Zu Beginn des neuen Jahres blickt der SOKAI-Osteopath Norbert Schütz auf das abgelaufene Jahr zurück. Im Interview verrät er, weshalb er sich von der Politik im Stich gelassen fühlt, warum das abgelaufene Jahr für ihn persönlich dennoch sehr positiv war, was für seine Arbeit das größte Kompliment ist und warum Osteopathie seiner Meinung nach weiter auf dem Vormarsch sein wird.Osteopathie Frankfurt

 

Herr Schütz, zunächst alles Gute noch im neuen Jahr 2019. Was nehmen Sie aus dem Jahr 2018 mit, was Osteopathie betrifft?

Norbert Schütz: Für mich persönlich war das Jahr 2018 sehr positiv, da ich im Sommer 2018 mein Studium der Osteopathie erfolgreich abgeschlossen habe und mich nun „staatlich anerkannter Osteopath“ nennen darf.

 

Was ist das Besondere an diesem Titel?

Er ist für mich persönlich was Besonderes, weil ich dafür mehr als 1350 praktische und theoretische Unterrichtsstunden zu absolvieren hatte, und für unseren Berufsstand ist dieser Titel etwas Besonderes, weil wir uns so von anderen Praktikern abgrenzen können, die Osteopathie nur nebenbei betreiben und nur an einer kurzzeitigen Ausbildung teilgenommen haben. Aber: Diesen Titel gibt es so nur in Hessen und daran erkennen Sie schon das Problem unseres Berufsstandes – was übrigens etwas Negatives ist, das ich in Sachen Osteopathie aus dem Jahr 2018 mitnehme.

„Deutschland hat bei der Osteopathie keine Vorreiterrolle, sondern bremst eher.“

 

Wie meinen Sie das?

Für uns Osteopathen ist es nach wie vor enttäuschend, dass aus der Politik keine Signale kommen, den Osteopathieberuf als eigenen Beruf bundesweit zu regeln. Eine solche Regelung vermissen nicht nur wir Osteopathen, sondern auch unsere Patienten. Aktuell ist die Osteopathie noch ein Beruf, der irgendwo im Niemandsland sein Dasein fristet. Man kann sagen, dass die Politik uns hier wirklich im Stich lässt. Hier vergibt die Politik die Chance, einen dynamischen Markt zu fördern.

 

…was ärgerlich für Sie ist?

Ärgerlich ist das falsche Wort, enttäuschend trifft es eher. Deutschland hat hier keine Vorreiterrolle, sondern bremst eher. Dabei hätte eine einheitliche Regelung für Patienten den Vorteil, dass osteopathische Behandlungen frühzeitiger in Erwägung gezogen und verschrieben werden könnten und nicht erst als letzte Lösung in Betracht kommen. Hierdurch könnte man Kosten und Zeit einsparen – und den Menschen so manches Leid ersparen. Ich vergleiche das Ganze gern mit dem Handwerk: Hier arbeiten auch viele Fachbereiche gut zusammen, um ein Haus zu erhalten – das ist hier im Gesundheitssystem mit uns Osteopathen leider nicht der Fall. Noch nicht.

 

Ärzte sind aber generell offen dafür, Osteopathie zu verschreiben?

Ja, es herrscht schon eine hohe Bereitschaft unter Ärzten, Osteopathie zu verordnen. Der Patient muss aber aktuell meist aktiv nachfragen. Das wird hoffentlich immer besser. So wie bei den Krankenkassen: Hier erfahren wir im Großen und Ganzen keine Ablehnung, sondern vielmehr eine stabile und positive Kostenerstattung für Patienten. Die privaten Krankenkassen erstatten in den meisten Fällen komplett, bei fast allen gesetzlichen Kassen gibt es immerhin einen Zuschuss in Höhe von 30 bis 60 Euro pro Osteopathiesitzung.

„Viele Patienten tragen die Kosten selbst, weil die Behandlung ihnen nützt.“

 

Die Kosten sind natürlich ein wichtiger Aspekt.

Natürlich ist es ein großer Vorteil, wenn Krankenkassen Zuschüsse zu der osteopathischen Behandlung zahlen. Viele meiner Patienten tragen die Kosten aber auch selbst, weil die Behandlung ihnen nützt. Ich ziehe gerne den Vergleich mit dem Auto: Ihr Auto lassen Sie ja auch regelmäßig im Rahmen einer Inspektion warten, ohne dass Ihre Versicherung die Kosten dafür trägt. Dann können Sie auch einmal im Jahr zu mir zum „Osteopathie-TÜV“ kommen.

 

Das klingt so, als seien Ihre Patienten sehr zufrieden mit Ihrer Arbeit.

Die Weiterempfehlungsrate ist auf jeden Fall sehr hoch. Habe ich einen Patienten behandelt, folgt oft dessen Familie und der Freundeskreis – ein größeres Kompliment kann man für seine Arbeit nicht bekommen, glaube ich. (lacht) Und es zeigt mir, dass die Patienten von der Behandlung profitieren.

 

Mit welchen Beschwerden kommen die Menschen denn typischerweise zu Ihnen?

Das ist ganz unterschiedlich: Teilweise kommen Menschen zu mir, die schon lange Beschwerden haben, denen aber bislang nicht geholfen werden konnte. Zum Beispiel mit immer wieder auftretenden Schmerzen, Schwindelgefühlen oder Taubheitsgefühlen. Andere kommen mit akuten Beschwerden, weil sie sich den Nacken verzogen oder sich verlegen haben, einen Luftzug bekommen haben oder einen „Hexenschuss“ haben.

„…dann wird es ein super Jahr!“

 

Welche Tipps geben Sie Ihren Kunden, um Alltagsbeschwerden zu vermeiden?

Mit Empfehlungen halte ich mich eher zurück, weil unsere Patienten zu den Menschen gehören, die eh schon etwas gesundheitsbewusster sind als der Durchschnitt – und trotzdem Beschwerden haben. Oft kann schon etwas mehr Vertrauen in sich selbst und in die Expertise des Osteopathen helfen, um sich besser zu fühlen. Der Körper spricht ja eine Sprache und wenn wir mehr auf unseren Körper hören würden, hätten wir den Gesundheitsberater quasi immer bei uns. Wichtig ist, die Signale des Körpers überhaupt erstmal wahrzunehmen. Bei der Interpretation der Signale kann dann der Osteopath helfen und einschätzen, ob schulmedizinische Hilfe nötig ist oder mit osteopathischer Behandlung geholfen werden kann.

 

Zu guter Letzt: Was sind Ihre Wünsche für das neue Jahr?

Im neuen Jahr freue mich auf neue Gesichter in der Praxis, sowohl auf neue Patienten als auch neue Kollegen – derzeit suchen wir gerade nach einem Kollegen oder einer Kollegin. Den Weg, den wir mit SOKAI eingeschlagen haben, wollen wir weitergehen und weiter der professionelle und gleichzeitig herzliche Dienstleister sein, der wir schon sind. Wenn dann noch die Politik endlich aufwacht, dann wird es ein super Jahr. (lacht)

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